2017: Der geriatrische Patient

Was unterscheidet die Mobilisations- und Manipulationstechniken bei älteren Patienten von denjenigen für jüngere Menschen? Welche wichtigen Informationen erhalten wir bereits in der Anamnese? Welche Untersuchungen zum Erfassen des Sturzrisikos können wir in der physiotherapeutischen Praxis anwenden? Diese Fragen wurden am gemeinsamen Netzwerkanlass von chirobern und physiobern diskutiert und praktisch angegangen. Bereits zum dritten Mal trafen sich am 15. Februar 2017 Chiropraktoren und Physiotherapeutinnen zur gemeinsamen Weiterbildung, diesmal unter dem Thema „Der geriatrische Patient“.

Von Seiten der Chiropraktik führte Franziska Senn, Chiropraktorin aus Biel, ins Thema ein. Sie zeigte, dass es auch für ältere Menschen geeignete Behandlungstechniken gibt, die auch mit verschiedenen Hilfsmitteln kombiniert werden können. Die mit dem Alterungsprozess verbundenen Veränderungen, wie ein potentieller Muskelabbau, die Verminderung der Knochendichte und Bandelastitzität, sind keine Kontraindikationen für die chiropraktische Behandlung. Im Gegenteil, Franziska Senn betonte die Wichtigkeit, den Patienten möglichst mobil zu erhalten, indem Schmerzen gelindert werden und die Beweglichkeit verbessert wird. Bei älteren Menschen sei die Verbesserung der globalen Mobilität oft wichtiger als die Behandlung einer einzelnen Fehlfunktion. So sind gerade Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Ausdauer sehr wichtig, um den Patienten in seiner Selbständigkeit zu unterstützen. Hierfür überweisen die Chiropraktoren den Patienten oft auch in die Physiotherapie, wo diese Bereiche gezielt trainiert werden können.
Als zweite Referentin präsentierte Nicole Herren, Physiotherapeutin im Zentrum für Altersmedizin Siloah (BESAS), die Rolle der Physiotherapie bei der Behandlung geriatrischer Patienten. Welche Assessments eignen sich, um ein Sturzrisiko zu bestimmen? Wie kann das Gleichgewicht spezifisch trainiert werden? Nicole zeigte vor, wie die Gleichgewichtsstrategien getestet werden und so korrektive Reaktionen des Patienten beurteilt werden können. Statisches und dynamisches Gleichgewicht wie auch protektive Reaktionen des Patienten können gezielt überprüft werden. Anschliessend kann die Physiotherapeutin die Behandlungsstrategie gemäss dem individuellen Sturzrisiko erstellen und laufend überprüfen. Ebenso zeigte sie die Wichtigkeit der geeigneten Hilfsmittel zur Gangsicherheit auf, damit der Patient wirklich davon profitieren kann. 
Anschliessend wurden die Stühle weggerückt, die Matten gerollt und auf einem Bein balanciert. In Kleingruppen übten Chiros und Physios zusammen geeignete Assessments aus dem Bereich Sturzscreenig: Berg Balance Scale, Tinetti-Test oder der Timed-up-and-go konnten direkt praktisch umgesetzt werden. Zum Schluss blieb noch Zeit, um in Kleingruppen Erfahrungen aus der chiropraktorischen und physiotherapeutischen Praxis zu diskutieren  und sich beim gemeinsamen Apéro auszutauschen. Die Fortbildungsserie wird auch im nächsten Jahr weitergeführt und wir freuen uns auf einen regen interprofessionellen Austausch.
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